Offener Unterricht
Nach den Osterferien starten wir mit einer teilweisen Öffnung des Unterrichts.
Bisher erfolgten unsere Lernangebote ausschließlich als Unterricht im jahrgangsgebundenen Klassensystem. Zukünftig wollen wir dieses Angebot durch verschiedene jahrgangsübergreifende Kurse erweitern.
Die Kurse lassen sich den verschiedenen Fachbereichen zuordnen und den Kindern geht keine Unterrichtsstunde verloren.
Die Schülerinnen und Schüler sollen Gelegenheit erhalten, nach Interesse und Bedarf verschiedene Kurse zu wählen.
Dies bietet die Grundlage zum nachhaltigen selbstbestimmtem Lernen.
Darüber hinaus ergibt sich durch das gemeinsame Arbeiten und Lernen über die Jahrgangsgrenzen hinaus die Chance zum besseren Kennenlernen untereinander. Davon erwarten wir eine weitere Verbesserung unseres Schulklimas und einen positiven Effekt auf das Zusammensein während der Pausen.
Gestern wurde dieses Modell den Schulkindern vorgestellt.
In der Veranstaltung herrschte eine Atmosphäre gespannter Erwartungen und konzentrierten Zuhörens und im Anschluss war die Zustimmung überwältigend.
Vor einiger Zeit haben wir diese Neuerung den Eltern auf einer Infoveranstaltung vorgestellt. Dabei entstand der Wunsch, dass die wichtigsten Eckpunkte auch auf unserer Homepage dargestellt werden.
Diesem Wunsch möchten wir hiermit gern nachkommen und nehmen dazu die Fragen, die an diesem Abend gestellt wurden, als Leitfaden.
Sollten Sie darüber hinaus noch weitere Fragen haben, zögern Sie nicht, diese zu stellen.
Am besten per Email an grundschule.ellerau@schule.landsh.de
Leitfaden für den Offenen Unterricht
Wann finden die Kurse statt?
Die Kurse werden dienstags und mittwochs in der zweiten und dritten Stunde durchgeführt.
Über welchen Zeitraum erstrecken sich die Kurse?
In der Regel dauert ein Kursdurchlauf von Ferienende bis Ferienanfang.
Wie werden die Kurse verteilt?
Die Schülerinnen und Schüler wählen vor den Ferien Kurse (bzw. bei den Sommerferien unmittelbar im Anschluss), die sie interessieren und Kurse, die sie benötigen.
Das Kollegium nimmt anschließend die Einteilung vor.
Sollte die Fachlehrkraft oder die Klassenleitung einen besonderen Bedarf in den Fächern Deutsch oder Mathe bei einem Kind feststellen, teilt sie dieses Kind einem entsprechenden Kurs zu und bespricht diese Zuordnung mit dem Kind.
Wenn Kinder in zugeordnete Kurse gesteckt werden, sind sie dann überhaupt noch motiviert?
Wir sind davon überzeugt, dass jedes Kind lernen will. Wenn es erfährt, dass ihm die Mitarbeit in einem Kurs zu mehr Erfolg im Klassenverband verhilft, wird daraus Motivation entstehen.
Darüber hinaus wird die entsprechende Lehrkraft ein motivierendes Gespräch mit dem Kind führen und das Kind erhält natürlich zusätzlich auch gewünschte Kurse.
Dürfen die Kinder den Kurs wechseln, wenn er ihnen keinen Spaß macht?
Ein Kurs wird immer über die gesamte Dauer besucht.
Was ist, wenn Freunde nicht zusammen in einen Kurs kommen?
Das wird sicherlich passieren. Aber die Kinder können so auch erfahren und lernen, dass vertraute Menschen durchaus verschiedene Interessen haben dürfen. Zusätzlich können neue Kontakte und Freundschaften geknüpft werden. In den Pausen kann man sich gut über die unterschiedlichen Kurse austauschen.
Was ist mit den ADHS-Kindern in den Kursen? Sind die in dem System nicht überfordert?
Wir werden sehr genau hinschauen, wie die verschiedenen Kinder mit dem neuen Angebot umgehen. Die Klassenleitungen wissen, welchem Kind das außergewöhnlich schwerfallen könnte und werden es positiv unterstützen.
Mit welcher Kursstärke ist zu rechnen?
Die Kursgröße richtet sich nach Inhalt und Form des Kurses. Mannschaftssport benötigt eine größere Anzahl an Mitspielern und Mitspielerinnen als ein Kochkurs.
Die Förderkurse wollen wir möglichst klein halten.
Was passiert, wenn der Lehrkraft im Offenen Unterricht ausfällt?
Wenn eine Lehrkraft ausfällt, werden die Kinder auf andere Kurse verteilt.
Wie sieht es mit Teamteaching aus?
Das wäre eine wunderbare Sache. Allerdings fehlt uns dafür das Personal. Wir freuen uns aber sehr über Eltern, die bereit sind, uns in den verschiedenen Kursen zu unterstützen.
Haben die Kinder ein Mitspracherecht, welche Kurse angeboten werden?
Nach dem ersten Durchlauf (Osterferien 2025 bis Sommerferien 2025) werden wir eine „Wunschbox“ aufstellen. Dort können Schüler und Schülerinnen ihre Kurswünsche hinterlegen.
Sollte sich eine Lehrkraft finden, die ein gewünschtes Thema anbieten möchte, wird es einen entsprechenden Kurs geben.
Werden die Leistungen, die innerhalb der Kurse erbracht werden, benotet?
Nein, es wird keine Benotung geben.
Die Schüler und Schülerinnen werden jedoch angehalten, ihr Lernverhalten zu reflektieren.
Wie und wann werden die Leistungsnachweise erbracht, wenn die Kurse nicht bewertet werden? Verschiebt sich alles nach hinten?
Wie bisher auch, wird mit den Leistungsnachweisen das erarbeitete Wissen aus dem klassengebundenen Unterricht erhoben.
Nach vier Jahren müssen die Kinder alle ja auf einem gewissen Niveau sein. Wie soll das mit den unterschiedlichen Kursen sichergestellt werden?
In den Fachanforderungen werden Kompetenzerwartungen festgeschrieben. Manche Kinder erfüllen oder übererfüllen diese am Ende ihrer Grundschulzeit. Manche Kinder schaffen das nicht in Gänze und benötigen dazu länger. Das ist im klassengebundenen Unterricht so und das wird sich auch mit dem geöffneten Modell nicht völlig ändern.
Wir gehen dennoch davon aus, dass ein interessengeleitetes Lernen insgesamt eine größere Kompetenzerweiterung nach sich ziehen wird.
Werden Probleme damit nicht nur outgesourct und die Klassenlehrer verlieren den Überblick?
Auch jetzt schon erhalten manche Kinder separaten Förderunterricht in den Fächern Deutsch und Mathe. Im neuen Modell besuchen sie diese Stunden aber nicht nach einem langen Schultag oder bereits vor Unterrichtsbeginn, sondern innerhalb der vier Unterrichtsstunden im Kurssystem.
Die Klassenleitungen behalten den Überblick.
In den Kursen geht es doch nicht nur um Förderung, oder? Die Kurse sollen doch gemischt sein, oder?
Wir bieten Kurse zu ganz verschiedenen Themen an und die Kinder sollen in erster Linie die Kurse wählen, die sie interessieren. So werden in vielen Kursen Kinder aus den unterschiedlichen Jahrgängen und mit verschiedenen Lernausgangslagen miteinander lernen und arbeiten.
Was ist mit den Kindern, die besonders begabt sind? Wenn die im Kurssystem weiter gefördert werden, langweilen die sich dann nicht im Unterricht im Klassenverband in Stufe 3 und 4?
Die Kurse nehmen nicht die spezifischen Inhalte des klassengebundenen Unterrichts auf. Dennoch können Kursinhalte dem Unterrichtstoff zuarbeiten. Im klassengebundenen Unterricht haben die Kinder durchaus die Möglichkeit, ihr erweitertes Wissen zu präsentieren und / oder noch weiter zu vertiefen. Das sollte bei einem interessanten Thema nicht langweilig sein.
Sie sind dann ja in einer Probephase. Bekommen die Eltern die Evaluationen mitgeteilt?
Wir werden auf den Schulkonferenzen vom Offenen Unterricht berichten.
An welchen Faktoren oder Kriterien wird gemessen, wie erfolgreich der Offene Unterricht ist?
In regelmäßigen Abständen werden wir die Schülerinnen und Schüler befragen, ob und inwiefern sie der Offenen Unterricht beim Lernen unterstützt und zum Lernen motiviert. Gleichzeitig werden wir auch eine Abfrage zum Schulklima durchführen.
Wie ist es mit den zusätzlichen Tagen, an denen schon Unterricht ausfällt (Lauftag, BJS)? Wird der Unterricht durch den zusätzlichen Kursunterricht nicht noch weniger?
Schulveranstaltungen gehören zum Schulleben unbedingt dazu. Hier sollen sich die Kinder als Teil einer guten Schulgemeinschaft erleben und Spaß haben. Ebenso sollen sie sich aber auch in veränderten sozialen Situationen erleben und ausprobieren dürfen.
Durch den kursgebundenen Unterricht erhalten die Kinder nicht weniger Unterricht, sondern Unterricht, der anders organisiert wird.
Allerdings werden die bisherigen jahrgangsgebundenen Projekte sowie z.B. die Draußenschule, das Schwimmen und das Frühradfahren in die Kursangebote integriert.
Wenn man festgestellt hat, dass es „Längen“ (durch vertiefendes Üben und Wiederholen) beim Unterricht im Klassenverband gibt, warum wird dann nicht der Unterricht im Klassenverband verändert?
Schon bei der Einschulung ist mit Blick auf Wissen und vorhandenen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler eine Spanne von bis zu drei Jahren zu beobachten. Durch differenzierende Maßnahmen im Unterricht können diese Unterschiede zum Teil aufgefangen werden.
Wenn aber beispielsweise ein Kind schon vor Schuleintritt flüssig lesen kann, ist es für dieses Kind sicherlich sinnvoll und schön, ein Buch mit anderen Lesenden zu erarbeiten und nicht ausschließlich mit „Erstis“ den Buchstabenweg zu erarbeiten. Hierauf haben aber wiederum die Kinder ein Recht, die völlig berechtigterweise noch nicht-lesend in die Schule kommen.